Trakehnerzüchter stellen sich vor

Eine Interview-Reihe von Alexandra Marten

Es ist nun schon ein wenig her, als ich mich im März dieses Jahres zu meinem ersten
Interview begab, um hoffentlich damit den Startschuss für eine Reihe von Gesprächen mit
unseren Züchtern mit dem Ziel zu setzen, ein wenig mehr über unsere Züchter und die aktuell
in der Schweiz vorhandenen Zuchtpferde zu erfahren. Am Ende soll eine Übersicht über
unsere Züchter und ihre zuchtaktiven Stuten auf unserer Internetseite dargestellt werden,
eventuell auch die aktuellen und geplanten Anpaarungen, um einerseits den Züchtern eine
Plattform zu bieten sich vorzustellen, als auch es Interessierten und etwaigen Käufer leichter
zu machen, fündig zu werden.

Wer ausserdem noch mehr über die Trakehnerzucht in der Schweiz erfahren möchte, dem
empfehle ich den Artikel in der Trakehnerzeitschrift aus dem Monat 9/2020, in dem Herr
Erhard Schulte ausführlicher über die Ursprünge und Wege der Trakehner in der Schweiz
berichtet.

Ich entschloss mich, mit Ueli Maurer, dem Trakehnerzüchter, der auch lange Jahre das Amt
des Präsidenten, damals noch der Genossenschaft, innehatte und nun Ehrenmitglied unseres
Vereins ist, den Anfang zu machen, ohne in dem Moment zu wissen, dass dieser sich vor
kurzem entschieden hatte, seine züchterische Laufbahn nach über 35 Jahren Trakehnerzucht
zu beenden. So beginne ich also unverhofft mit einem Züchter im Ruhestand:

Züchterportrait Ueli und Ursi Maurer

Züchterportrait Ueli und Ursi Maurer

Züchterportrait Ueli und Ursi Maurer

Früher Bühl bei Aarberg heute leben die Pferde in einem schönen Stall in Bettlach

Ein Interview von Alexandra Marten:

Etwas kühl war es am 11. März 2021 als der Wind recht ordentlich an dem Bahnweg etwas ausserhalb von Bettlach entlang pustete. Ich wurde von Ueli freundlich begrüsst und direkt in den neuen Stall geführt, der nun eine halbe Stunde von ihrem eigentlichen Wohnort entfernt liegt. Vor 11 Monaten sind Ueli und Ursi mit ihren Pferden umgezogen. Acht helle Paddockboxen mit einer breiten Stallgasse bieten den Pferden ausreichend Platz zum Wohlfühlen. Wir setzen uns an den Tisch in der Stallgasse und ich versuche meine vorbereiteten Fragen zu stellen und merke, dass es gar nicht einfach ist, alles gleich so aufzuschreiben, um daraus eine wortwörtliche Wiedergabe zu zaubern (daher bleibt es folgend bei der sinngemässen Darstellung).

Ueli und Ursi Maurer

Auf die Frage wie er eigentlich zum Trakehner gekommen sei, war ganz klar, dass die ursprüngliche Liebe zum Pferd ihm bereits in die Wiege gelegt wurde. Er habe die Leidenschaft zum Pferd von seinem Grossvater und Vater übernommen. Sein Grossvater hat bereits immer schwierige Pferde geritten und gefahren. Sein Vater ritt in der Kavallerie und wurde früh als Bereiter vorgeschlagen. Dort wurden Warmblüter wie Irländer und Polen genutzt. Trakehner waren auch darunter, diese waren jedoch den Offizieren vorbehalten. Mit 17 Jahren hat Ueli sein erstes Pferd gekauft, es war ein Pole, der besonders zäh und hart im Nehmen war. Das Geld dafür hat er sich mit seiner Kaninchenzucht verdient. Als er eines Tages eine Reportage über Trakehner gelesen hatte, war er überzeugt davon, dass dieser Pole nur ein Pferd mit Trakehnerabstammung sein konnte, so wie diese beschrieben wurden. Von da an war ihm klar, wenn er nochmals ein Pferd erwerben sollte, dann ein Trakehner sein. Zu der Zeit war in Avenches der Trakehnerhengst „Corporal“ aufgestellt und so kam es, dass er eines Tages ein Fohlen von ihm kaufte, welches zumindest 5/8 Trakehnerblut in sich trug.

Der erste richtige Takehner zog erst viel später in den Stall in Bühl, auf dem von ihm geführten landwirschaftlichen Betrieb ein. Bei einem Urlaub mit der Familie bei seiner Tante in Deutschland im Jahr 1984 machten sie einen Abstecher bei Herrn Ernst Wezel auf dem Gestüt Schralling, wo er die damals erst zweieinhalbjährige schwarze Stute „Viola“ von Aron aus einem Stutenstamm der Familie von Zitzewitz entdeckte. Sie war leider bereits zur Auktion nach Neumünster versprochen, wo er sie dann jedoch tragend von Karneol glücklich erwerben konnte. Sie wurde einer der zwei Stammstuten in seinem Stall.

Ueli Maurer mit Viola und Granat

Eine weitere Stute war „Undine“ von St. Cloud aus der Familie der Freya. Von da an fielen bei Ueli jährlich durschnittlich 1 bis 5 Fohlen. Insgesamt 50 Fohlen in 30 Zuchtjahren erblickten bei ihm und Ursi das Licht der Welt, davon allein 10 Fohlen von dem Hengst Kostolany, was eine ganz beachtliche Zahl ist. Viola schenkt ihm 14 Fohlen und starb erst im Alter von 31 Jahren. Undine schenkte ihm unter anderem „Ulan Bator“ von Kostolany, der heute noch in seinem Stall steht und auf dem Ursula und ihre Tochter zahlreiche Siege und Klassierungen in Dressur und errangen.

Ulan Bator

Auf die Frage, ob Ueli eine besondere Idee oder ein Motto bei seiner Zucht verfolge, antwortete er, er reite nicht gerne mit Kraft. Ein Pferd sollte leicht zu führen sein. Meine Pferde wurden in Springen und Dressur geritten und auch gefahren. Bis zum Jahr 2015 gingen einige seiner Pferde an der Kutsche und wurden zum Teil auch in der Landwirtschaft eingesetzt. Die Pferde sollten vielseitig verwendet werden können „Es ist für mich auch wichtig, dass Pferde und Reiter zusammenpassen und sich eine Harmonie bilden kann».

Seine Leidenschaft für die „Berner Dragoner 1779“, die berittene Ehrenformation des Kantons Bern, teilt er mit seinem Züchterkollegen Martin Reber. Wobei Ueli im Sattel der von Martin Reber gezüchteten Stute „Pandora“ sitzt und Marti Reber im Sattel von der von Ueli gezüchteten „Unesca“, eine nette Anekdote. 3-mal die Woche wird noch selbst geritten, die anderen Tage werden die Pferde von jungen Damen bewegt, die auch ab und zu im Stall helfen.

Unesca

 

Ueli im Einsatz für die „Berner Dragoner 1779“

Zum Abschluss führt Ueli noch eine letzte Enkelin seiner Stammstute Viola aus der Box. Sie stammt von „Imhotep“ und zeigt sich beim Freilaufen bei dem Wind sehr keck, aber mit tollem Bewegungspotential.

Danke lieber Ueli, für das nette Gespräch, die Vorstellung Deiner „letzten“ gezüchteten Stute und damit die Zeit, die Du Dir genommen hast. Auf meine Abschlussfrage, wen es sich seiner Meinung nach lohnen würde als nächstes zu besuchen, kam fast wie aus der Pistole geschossen: „geh doch einmal zu Greti Andres“. Eine gute Idee. So werde ich also meine nächste Reise nach Wynau, in den Kanton Bern antreten und bin gespannt, was mich dort erwartet.

Alexandra Marten

 


 

Ueli und Ursi Maurer

 

  • Seit Wann züchtest Du Trakehner?

Seit 1984

  • Wie kamst Du zu den Trakehnern?

Wir waren bei einer Tante in Deutschland im Urlaub und besuchten das Gestüt Schralling von Ernst Wezel. Dort habe ich die damals 2½ jährige Stute Viola von Aron entdeckt, die ich dann leider erst später auf der Auktion in Neumünster erwerben konnte.

  • Welche Stuten stehen derzeit bei Dir in der Zucht?

Keine aktiven mehr, im Besitz sind noch die Stute „Pandora“ von Donauklang (Distelzar) aus der Zucht von Familie Reber, sowie eine Enkelin der Viola von Imhotep.

  • Welchem Stutenstamm vertritt Deine Zucht?

Viola vertrat den Stutenstamm der Velegue des Hauses von Zitzewitz
Undine entstammt aus dem Stutenstamm der Freya

  • Hast Du eine besondere Idee für die Zucht?

Die Pferde sollten leistungswillig und vielseitig sein, mit wenig Kraft zu Reiten

  • Worauf wird bei der Hengstauswahl geachtet?

Ich habe unter anderem auf Sportlichkeit geachtet. Anpaarungen mit Kostolany, Lapaz und Belsazar waren sehr erfolgreich.

  • Persönliche Erfolge mit Deinen Trakehnern?

Der Sieg in der Familiensammlung mit Viola sowie mehrere Klassensiege an der Jubiläumsschau 1999. Die Erfolge der Pferde aus meiner Zucht in der Dressur bis zur schweren Klasse
Im Springen bis 130 cm und in der Vielseitigkeit mit CCI2 Stern, bestätigen meine züchterischen Visionen.

  • Warum Trakehner, was macht den Trakehner so besonders?

Eben die Leistungsfähigkeit und Vielseitigkeit. Trakehner sind zäh und doch fein zu Reiten.

  • Welches Pferd ist besonders in Erinnerung geblieben?

Sicher meine erste Trakehnerstute Viola sowie Vaya Con Dios von Kostolany. Nicht zu vergessen Ulan Bator mit dem sich Ursula und deren Tochter Chantal in viele Dressurprüfungen
bis zu schweren Klasse behaupten konnten. 180 Plaketten hängen an seiner Boxe.

  • Was wünscht Du Dir in Zukunft für die Trakehner?

Dass die Zucht zahlenmässig zulegt, die Trakehnermenschen mehr für ihre Pferde da sind und sich nicht zu sehr dem Druck des allgemeinen Vermarktungstrubels unterwerfen und dem Geplänkel in eigenen Reihen verfallen.

Neuauflage Stammtisch Ostschweiz

Alexandra Marten belebt den Stammtisch in der Ostschweiz neu und lädt alle interessierten Trakehnerfreunde herzlich ein:

“Gerne heisse ich Euch am Samstag, den 18.9.21 um 10 Uhr bei mir Zuhause (Dorfstrasse 16, 8331 Auslikon) zu einem Brunch zum neu erwachenden Trakehnerstammtsich für die Ostschweiz willkommen. Ich freue mich auf viele neue Gesichter und hoffentlich auf ein Wiedersehen und Kennenlernen einiger „alter Hasen“ und damit schönen Begegnungen pferdeinteressierter Menschen mit ihren Geschichten. Ziel ist, neben dem fröhlichen Beisammensein und Zusammenbringen der Trakehenrfreunde, das Aufnehmen von Ideen und der Interessen von Euch in Hinblick auf zukünftige Aktionen des Trakehnervereins Schweiz. Ich hoffe auf schönes Spätsommerwetter, so werden wir bei uns im Garten sitzen können.

Bitte meldet Euch bis spätestens Mittwoch, den 15.9.21 per E-Mail unter alexandra@marten.ch an.”

Herzliche Einladung zum gemütlichen Beisammensein

Wir laden herzlich ein zu gemütlichem Beisammensein anlässlich der Fohlenmusterung in Niederbipp. Charlotte und Willy Vogel heissen uns willkommen zu einem Apéro mit anschliessendem Nachtessen.

Fohlenmusterung Nachmittags, anschliessend Abendveranstaltung ab ca. 17:00

Anmeldung für das Nachtessen erforderlich, bitte an Yvonne Knupp (y.knupp@gmail.com / 078 724 09 31)

Wir freuen uns euch nach langer Zeit endlich wieder zu sehen!

Sieg für Sir Picasso

Anlässlich des Trakehner Bundesturniers – deutschlandweit und darüber hinaus das Stelldichein der Gesamtzucht – reüssierte Sir Picasso bei all seinen Auftritten. 👏

In der Dressurpferde L gebührte der Sieg mit Wertnote 8.3 🏆 dem dunkelbraunen Hengst aus Zucht und in Besitz von Charlotte und Willy Vogel 🇨🇭.

Sein Reiter Kevin Thomas pilotierte den einstigen Reservesieger der Trakehner Körung ebenso zu Platz 2 🥈 in der Dressurpferde M.

Unsere Gratulation den Besitzern 🇨🇭 und dem Reiter 🇩🇪! Und wir freuen uns Sir Picasso‘s Sohn Soros anlässlich unserer Musterungsreise vom 10./11. September zu sehen.

TSF Dalera BB gewinnt 2x Gold

WIE TOLL IST DAS DENN? 🎉🥇🏆

TSF Dalera BB und Jessica von Bredow-Werndl gewinnen Doppelgold an den olympischen Spielen in Tokyo! Ganz bestimmt auch ein einmaliges Gefühl für die Besitzerin von Dalera und Mäzenin von Jessica: Beatrice Bürchler-Keller 🇨🇭

Eine wahre Freude das Paar zu sehen ❤️ Wir senden herzliche Glückwünsche nach Tokyo, Aubenhausen und Diessbach! 👏🍀

Zum Hintergrund der einmaligen Erfolgsstory hier ein schöner Artikel des Magazins St. Georg:
https://www.st-georg.de/news/pferde-und-leute/10-dinge-ueber-die-trakehner-goldstute-dalera-olympiasiegerin-mit-jessica-von-bredow-werndl/

Sterne für sportliche Trakehner Hengste ⭐️

Die Schweizer 🇨🇭 sind vorne mit dabei!

Ein neues Modell zur Kennzeichnung von Trakehner Hengsten die sich im Sporteinsatz beweisen hat der Trakehner Verband geschaffen. Für Eigenleistung in Hengstleistungsprüfungen, beim Bundeschampionat und bei Jungpferde-Weltmeisterschaften sowie für S-Erfolge (eigene und jene der Nachkommen) werden Sterne verliehen.

Damit erhalten die Züchter in komprimierter Form eine Aussage über die sportliche Leistungsfähigkeit eines Hengstes – eine sehr begrüssenswerte Initiative! Eine Datenbasis fernab von Schauerfolgen liefert wertvolle Fakten für die nächste Anpaarungsüberlegung und stellt eine Auszeichnung für all jene Züchter und Hengsthalter dar, die ihren Hengst im Sport einsetzen.

Die “Schweizer” Hengste sind vorne mit dabei!

Bei den Sieben- bis Zehnjährigen führen zwei Vielseitigkeitshengste das Klassement an. Sweetwaters Ziethen TSF (Besitzer Jörg Mühlethaler) ist mit 15 Sternen der erfolgreichste Hengst. Als Weltmeister der jungen Vielseitigkeitspferde hat er mächtig Punkte gesammelt! Bereits an zweiter Position steht ein weiterer Schweizer – der Angloaraber Cestuy la de l’Esques im Besitz von Andreas Gygax vom Dalchenhof. Einen den man mit auf dem Plan haben sollte! Im deutschsprachigen Raum hat der Hengst noch nicht die Beachtung gefunden die ihm aufgrund seiner Leistung gebührt. Umso schöner kommt so ein Hengst mit dem Sterne-Modell ganz nach vorne. Infos zu Cestuy la de l’Esques AA gibt es bei den Stationen Söderhof und HuL Marbach sowie in der Schweizer Zeitschrift Kavallo (siehe Links). Beide Hengste sind über TG-Sperma auch in Deutschland erhältlich.

In der Kategorie der Jüngsten reiht sich Sir Picasso mit ein. Der Reservesieger der Trakehner Körung hat u.a. mit dem Resultat aus der HLP (Notentotal > 7.5) gepunktet. Sein Sterne-Konto soll in 2021 weiter wachsen. Er steht im Besitz seiner Züchter Charlotte und Willy Vogel und wird 2021 über das NRW-Landgestüt mit FS und TG angeboten.

Aufschlussreich ist besonders der Abschnitt der älteren Hengste. Dort tritt Distelzar mit 22 Sternen in Erscheinung – erzielt aus Eigenleistung UND Nachkommensleistung (dort zählt nur im Sport Kategorie S erfolgreich!). Mit Hermes d’Authieux ist ein weiterer Angloaraber mit auf der Liste. Auch er punktet mit S-erfolgreichen Nachkommen. 16 Sterne sind ein beachtlicher Leistungsausweis, und wer sich diese Genetik sichern will kann in der Schweiz über die Elevage du Coinat gehen (siehe Link) und in Deutschland über den Holsteiner Verband.

⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ Wer hätte diese Hengste auf dem Schirm gehabt? ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

HuL Marbach

Söderhof

Cheval Suisse – Hermes d’Authieux

Elevage du Coinat

 

Den ganzen (lesenswerten!) Artikel gibt es im Magazin “Der Trakehner” beim Trakehner Verband oder digital über United Kiosk.

Stammtisch Ostschweiz verschoben

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben!

Leider müssen wir schweren Herzens, aber zum Wohle aller, momentan auf die Durchführung des Stammtischs Ostschweiz verzichten. Wir hätten uns sehr gefreut den vielen Trakehnerfreunden in dieser Gegend eine Gelegenheit zum sich Treffen, Plaudern und Kennenlernen zu bieten. Sobald es wieder im Rahmen des Möglichen (und Verantwortbaren) ist, gleisen wir den Stammtisch neu auf.

Alexandra Marten nimmt in der Zwischenzeit euer Interesse am Stammtisch gerne auf, so dass ihr an vorderster Front mit dabei seid wenn es weiter geht! Bitte Mail an alexandra@marten.ch oder SMS/WhatsApp an 079 442 53 04.

Trakehner Hengstmarkt 2020

Der Trakehnerhengstmarkt 2020 in besonderen Zeiten, ein kurzer Erlebnisbericht

Wer dieses Jahr aus der Schweiz nach Neumünster reisen wollte, um den Trakehnerhengstmarkt zu besuchen, hatte es nicht ganz einfach und erlebte einen Hengstmarkt der besonderen Art.

Aufgrund der sich zuspitzenden Corona Situation wurden Flüge in letzter Minute gecancelt oder verschoben, Hamburg wurde kurz zuvor auf die Liste der Corona Risikogebiete gesetzt und das Virus sorgte dafür, dass das gewohnte Programm um einen Tag gekürzt und in strafferer Abfolge durchgezogen wurde (keine Gala Schau, keine Fohlenverlosung, weniger Pausen.) als auch dass nur eine begrenzte Anzahl an Karten für Besucher zur Verfügung standen. Die ansonsten voll mit Ständen belegte Verkaufs- und Durchgangshalle die an den Haupteingang anschliesst, glänzte durch gähnende Leere, lediglich in der Vorhalle zur Auktionshalle waren an einer Hand abzuzählende Warenstände erlaubt worden. Essensmöglichkeiten wurden auf ein Minimum reduziert, Sitzgelegenheiten bei den Ständen nicht angeboten. Die gewohnten vollbesetzten Sitzreihen in der Halle wurden, bis auf den Bereich in der Nordkurve herausgenommen und durch eine begrenzte Zahl an Tischen ersetzt, die oben als auch am Rande des sonstigen Hallenbereichs aufgestellt wurden.

Und ein weiteres Novum gab es diese Jahr: Herr Gehrmann war nicht da, fehlte seit 30 Jahren das erste Mal! Er konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht am Hengstmarkt teilnehmen und wurde von Herrn Schoof vertreten.

Die drei Trakehnertage wurden traditionell am Donnerstag mit der Pflastermusterung eingeleitet und die Sonne liess sich auch das ein oder andere Mal blicken, so dass es sich, trotzdem alle Hengste ohne Pause hintereinander gezeigt wurden und die Maske ein ständiger Begleiter am Ring war, ganz gut draußen bei ungewohnt dünn besetzter Zuschauerzahl aushalten. Die Hengste zeigten sich durchweg in guter Verfassung und es war schon am ersten Tag klar, dass hier nicht nur ein Kandidat um den Titel kämpfen wird.

Am Freitag folgte für die Hengste das Freispringen wobei sich da zeigte, dass auch einige dressurbetont gezogene Hengste sich vor einer höher eingestellten Springgasse nicht verstecken mussten. Trotzdem heimste gemäss Kommentar von Herrn Schoof der auf der väterlichen Seite blütig gezogene Hengst “Osterwunder” von Paguar ox mit der Katalognummer 1 die beste Springnote ein.

Der Samstag startete mit dem Freilaufen der Hengste und auch hier wurde das gesamte Körlot hintereinander ohne Pause vorgeführt. Das ansonsten beim Freilaufen der Hengste für den harmonischen Ablauf sorgende, eingespielte Team der Niederländer wurde dieses Jahr durch Kollegen des Teams vom Hannoveraner Verband vertreten. Die aufmerksamen und sensiblen Trakehner zeigten sich bei den Hannoveranern geübten Peitschenführern zunächst etwas erstaunt über die rustikale und schwer leserliche Art die Richtung anzuzeigen und fanden so beim Freilaufen nicht immer gleich den gewünschten Weg und das schöne Gleichmaß, dies besserte sich jedoch gegen Schluss und nach einer Weile hat man herausgefunden wie Trakehner ticken. Besonders war, dass das Körergebnis nicht wie gewohnt nach jedem Durchgang eines Ringes verkündet wurde, sondern erst, nachdem alle Hengste sich gezeigt hatten. So blieb es spannend bis zum Schluss. Jeder Ring wurde einzeln aufgerufen und die gekörten Hengste wurden von Herrn Schoof kommentiert.

Von ursprünglich 32 ausgewählten Hengsten traten 29 zur Körung an, 12 von ihnen wurden gekört, von denen wiederum neben dem Sieger- und Reservesieger drei Hengste prämiert wurden.

Schlussendlich wurde als Siegerhengst verdient der dunkelbraune Hengst “Rheinglanz” von Helium aus der Prämienstute Reinhilde von Couratius gekürt. Er stammt aus der Zucht von Werner Heitfeld (Gestüt Bönninghardt) und war im Besitz von Jill Mieszko-Vekens. Der Hengst überzeugte die Körkommission an allen drei Tagen. Herr Schoof beschrieb den Hengst als Sympathieträger von ganz besonderer Machart, ob auf dem Pflaster, im Freispringen oder dem Freilaufen hätte er sich stets überzeugend dargestellt. Die Grundgangarten mit Mechanik, Schwingungsgrad und Taktsicherheit seien von allerhöchster Güte.


Rheinglanz: Der Trakehner Siegerhengst 2020
(Foto: Stefan Lafrentz)

Zum Reservesieger wurde der aus der Zucht und im Besitz des Gestüts Panker stammende schwarzbraune Hengst “Tanzkönig” von Fairmont Hill aus der St.Pr.u. Pr.St. Tanzmelodie v. Herbstkönig, der an allen Tagen an Erhabenheit kaum zu überbieten war, ausgerufen.

Die Auktionen boten teilweise heftige, von dem Auktionator gut in Szene gesetzte Bieterduelle, was natürlich nicht nur für die Bieter selber aufregend, sondern auch für die Zuschauer spannend war und viel Freude unter den Gästen für die neuen Besitzer spüren liess. Der Siegerhengst ging nach einem langen, sich immer wieder überbietendem Duell der Interessenten für 305 Tausend Euro an den seine neuen Besitzer. Ein besonderes Highlight war auch die wunderschöne und elegante Stute „Helia“ von Helium, die einen stolzen Preis von 105 Tausend Euro erzielen konnte. Bei den Fohlen erhielt die Millennium Tochter “Halina” aus der Zucht von Alan Nissen, DK, mit 22 Tausend Euro den höchsten Zuschlag.

Besonders war, dass bei den Auktionen dieses Mal auch online geboten werden konnte. Dies wurde rege genutzt. Die Qualität der Pferde, die Möglichkeit über Telefon als auch online und natürlich auch live vor Ort bieten zu können, liess die Auktionen der angebotenen Pferde dann trotz der geringen Besucherzahlen mit hervorragenden Ergebnissen beenden (genaueres ist auf der Internetseite des Trakehnerverbandes zu finden). “Switzerland” hiess es immer wieder bei den abgegebenen Geboten, und am Ende fiel der Zuschlag für den nicht gekörten “Jegier” von Diverse für die Schweiz. Wir gratulieren dem neuen Besitzer zu diesem Schmuckstück aus polnischer Zucht!

Der Trakehner Freispring Cup zeigte wieder, dass die Qualität der Zucht in Richtung Springqualität in den letzten Jahren stetig zunimmt und bot auch in Bezug auf die Springmanier der Pferde ein gutes Bild. Schlussendlich entschied der dreijährige Wallach „Kibo” von Saint Cyr aus der Zucht und im Besitz der Hessischen Hausstiftung des Gestüts Panker mit der Gesamtnote von 8,75. Dicht gefolgt wurde er von der vierjährigen Reservesiegerin „Paiha“ von Davidas aus der Zucht und Besitz von Imke Eppers mit der Gesamtnote 8,7. Sehr gut mit von der Partie war “Oka’s Hoa”, eine vierjährige Stute von Hiertentanz / Heraldik xx, Züchter und Besitzer Eduard Pfister aus St. Gallen. Sie erhielt eine Gesamtnote von 8,0. Fotos von der Stute (wie auch von allen anderen Pferden des Hengstmarktes) gibt es bei Stefan Lafrentz.

Bei der Auswahl zur Jahressiegerstute zeigten sich eigentlich durch die Reihe eine hohe Qualität an Stuten, die sich jedoch auch im Stil voneinander unterschieden. Schlussendlich gewann die typ- und bewegungsstarke Heliumtochter “Helene” aus der Zucht von der Züchtergemeinschaft Rüdel, im Besitz von Helmar Bescht, die auch bereits Siegerin bei der zentralen Stuteneintragung in Niedersachsen/Hannover als auch Finalistin im Bundes Championat bei den dreijährigen Stuten und Wallachen war. Reservesiegerin wurde die Pr. St. “Nightingale” von Scaglietti aus der Zucht von Bente Retoft, DK im Besitz von Michael Burchardt Peddersen, DK.

Die Schweizer waren durch Adrian Gasser, der den Hengst “Guarneri” mit der Katalognummer 29 ausstellte, vertreten, der jedoch leider die nicht angetreten war. Die von Herrn Gasser zur Aktion gestellte dreijährige Prämienstute “Verheißung” von Helium hingegen fiel durch ihre hohe Bewegungsqualität auf und wurde bei der Auswahl der Jahressiegerstute als Reservesiegerin bestimmt worden. Damit weckte sie grosse Begehrlichkeiten und wechselte bei der Auktion für stolze 26 Tausend Euro den Besitzer. Gratulation von unserer Seite.

Abschließend ist zu erwähnen, dass es den Organisatoren gelungen ist, trotz der strengen behördlichen Auflagen, ein Schutzkonzept auszuarbeiten, so dass die Veranstaltung überhaupt stattfinden durfte und zauberten mit dem Einsatz der vielen Helfer vor Ort als auch im Hintergrund eine insgesamt harmonische und erlebnisreiche Veranstaltung. Vielen Dank dafür und hoffentlich auf einen besonderen “normalen” Hengstmarkt im nächsten Jahr.

Die Daten zu den gekörten Hengsten sowie Foto (Stefan Lafrentz) stammen aus dem Bericht des Trakehner Verbandes.

Siegerhengst
12 Rheinglanz DE 409090029218, Dunkelbraun, Maße: 167/20,5, v. Helium a.d. St.Pr.u.Pr.St. Rheinhilde v. Couracius – E.H. Partout, Z.: Gestüt Bönninghardt, Werner Heitfeld, Talweg 29, 47661 Issum/Nordrhein-Westfalen, B.: Jill Mieleszko-Vekens, Im Klee 1, 33106 Paderborn/ Nordrhein-Westfalen

Reservesieger
6 Tanzkönig DE 409090015318, Schwarzbraun, Maße: 171/22,0, v. Fairmont Hill a.d. St.Pr.u.Pr.St. Tanzmelodie v. Herbstkönig – E.H. Grafenstolz, Z.u.B.: Hessische Hausstiftung Panker, Gestüt Panker, 24321 Panker/Schleswig-Holstein

prämierte Hengste:
11 Dameron DE 409090295818, Dunkelbraun, Maße: 171/21,0, v. Helium a.d. Donaublüte v. Lauries Crusador xx – E.H. Caprimond, Z.: Burkhard Wahler, Klosterhof Medingen, Zum Klosterhof 8, 29549 Bad Bevensen/Niedersachsen, B.: Klosterhof Medingen, Christoph Wahler, Zum Klosterhof 8, 29549 Bad Bevensen/Niedersachsen

14 Gaspard DE 409090304218, Dunkelbraun, Maße: 164/20,5, v. His Moment a.d. Gabriella v. E.H. Imperio – Schwadroneur, Z.: Dr. Angelica Lauritzen, Gunderödvej 15, 2980 Kokkedal/ Dänemark, B.: Christian Röhl, Arnimer Seitenweg 31, 39576 Stendal/Sachsen-Anhalt

34 Hallifax DNK333TR1800540, Rappe, Maße: 167/20,0, v. E.H. Schwarzgold a.d. Pr.St. Halle Berry v. Aston Martin – Summertime, Z.u.B.: Anne Lyngbye Melsen, Laagegyde 145, 2980 Kokkedal/Dänemark.

weitere gekörte Hengste:
1 Osterwunder DE 409090000418, Braun, Maße: 163/20,0, v. Pagur ox a.d. Oklahoma Lilly v. Lichtblick – Aspirant, Z.: Jana Scheffel, Wandlitzer Str. 16, 16348 Wandlitz/Brandenburg, B.: Norbert Wallochny, Mailham 2, 94094 Rotthalmünster/Bayern, Bester Halbbluthengst, Bester Springhengst

8 Hollister DE 409090076618, Braun, Maße: 167/21,0, v. Freiherr von Stein a.d. Hoheit XI v. E.H. Insterburg – E.H. Bartholdy, Z.u.B.: Brandenburgisches Haupt- und Landgestüt Neustadt (Dosse), Hauptgestüt 10, 16845 Neustadt (Dosse)/Brandenburg

17 Sinatra DE 409090087918, Braun, Maße: 168/21,5, v. Honoré du Soir a.d. Soraya v. E.H. Herzruf – Herbstruf, Z.u.B.: Andreas Weiß, Vormoos 12, 5143 Feldkirchen/Österreich

18 Iniesta DE 409090302818, Dunkelbraun, Maße: 167/20,0, v. E.H. Impetus a.d. Ibiza v. Montafon – Songline, Z.: Tim Vester, Stöckerfeld 8, 53773 Hennef/Nordrhein-Westfalen, B.: Trakehner Gestüt Gut Staffelde GmbH, Nauener Chaussee 21-22, 16766 Kremmen/Brandenburg

19 Hanke DE 409090090918, Schwarzbraun, Maße: 167/20,0, v. Ivanhoe a.d. St.Pr.u.Pr.St. Hannah VI v. Freudenfest – Exclusiv, Z.: Björn Hanke, Scheckenblick 3, 31789 Hameln/ Niedersachsen, B.: Pascal Kandziora, Mühlenweg 25, 48480 Spelle/Niedersachsen

23 Onyx DE 409090289918, Rappe, Maße: 167/21,5, v. E.H. Kentucky a.d. St.Pr.u.Pr.St. Octavia v. E.H. Millennium – E.H. Hohenstein, Z.u.B.: Rob de Wijs, Ekris 38, 3931 RX Woudenberg/ Niederlande

25 Halcon DE 409090067618, Rappe, Maße: 169/21,5, v. E.H. Millennium a.d. Pr.u.E.St. Herbstfee XIII v. E.H. Münchhausen – Bellheim, Z.u.B.: Dr. Atossa Südhoff, Schulstr. 19, 49696 Molbergen/Niedersachsen

 

Bericht: Alexandra Marten